social distance und physical distance – Was doch ein Wort verändert

Alle reden jetzt seit Wochen von „social distance“. Wir müssen Sozialkontakte meiden. Das sei die effektivste Massnahme gegen den unbändigen Feind namens Covid 19. Am besten bleiben alle zuhause. Sie bewegen sich nur innerhalb der eigenen vier Wände, gehen maximal zum einkaufen oder arbeiten nach draußen. Schon die Frischluftrunde um den Block wird von Ort zu Ort sehr unterschiedlich gehandhabt. Es brauchte massive Proteste bis das isolierte Verweilen auf einer Parkbank nicht mehr als Ordnungswidirgkeit betrachtet wurde.

Das Hautaurgument dabei ist, dass dieses fiese Ding namens Covid 19 vor allem per Tröpfcheninfektion sich neue Wirtsleute sucht. Glücklicherweise hat es keine Flügel und muss sich nach zwei Metern, also etwa zwei Armlängen, den Gesetzmäßigkeiten der Gravitation beugen und per Schwerkraft auf den Boden fallen. Dort finden es dann eher Ameisen und Spinnen, die sind aber vermutlich resistent dagegen, wenn nicht, wird es auch nicht weiter für tragisch empfunden.

Eine physikalische Gesetzmäßigkeit hilft also, dem fiesen Gegenspieler aus dem Weg zu gehen.

Was wir brauchen ist folglich eine physikalische Distanz, sagen wir von etwa zwei Metern, zwei Armlängen, zwei Einkaufswägen. 

Soziale Isolierung dagegen fördert die Angriffsfläche für diesen fiesen Gegner. Sie schwächt die Psche, schadet dem Immunsystem, macht den Menschen krank. Die Folterknechte dieser Welt wissen, dass Isolationshaft ein sehr effektives Mittel ist, den politischen Feind zu brechen. 

Die technischen Möglichkeiten dieser Tage sind nicht die aller schlechtesten. Die helfen uns, mit Menschen über Bildschirme in Kontakt zu bleiben. Doch vieles können die mehr oder weniger scharfen Videobilder nicht transportieren. Das feine Zucken um die Mundwinkel, die gesamte Körpersprache, der tiefe Blick in die Augen, ein Lachen, das nicht streamverzerrt ankommt, die Träne, die sich im Augenwinkel bildet und langsam im Kameraschatten die Wange hinunter läuft, all das fehlt.

Es fehlt die Hand im Rücken, die sogar mit Handschuh gut tut. Es fehlt der gemeinsame Blick auf das Blümchen, das sich mühsam durch die Erdkrume gekämpft hat. Nebeneinander auf einer Bank sitzen, jeweils zu den Enden, und auf das Wasser schauen, wie die Wellen sich bewegen, wie die Wolken sich drin spiegeln, und dann irgendwann anfangen zu erzählen, was auf der Seele liegt und jetzt endlich losgeredet werden kann. Die feinen Nuancen in der Stimme und im Blick, auf die wir gelernt haben zu achten und zu reagieren. All das fehlt.

Darum fehlt vielen treuen Gottesdienstbesuchern auch diese Veranstaltung. Weil ich im analogen nebeneinander mehrwahrnehme, fokussierter bin, als am Küchentisch oder auf der Coach. Nicht weil da die Verkündgung vielleicht besser ist und ankommt. Das mag ja sein. Es ist die analoge soziale Gemeinschaft, die fehlt, gerade den Verwitweten, den Singels, denen, die vom sozialen Miteinander leben. Die Liste liese sich beliebig fortsetzen, der Beispiele gibt es genug. Einzelkinder, psychisch Kranke, Trauernde, Liebende (die über die Verschiebung einer Hochzeit entscheiden müssen), Großstadt-Wohnblock-Ghetto-Bewohner*innen, … . 

Es hat lange gebraucht, bis die bayerische Saatsregierung verstanden hat, dass Hatsch und Ratsch (vormals walk to talk) auch mit einem Menschen sinnvoll und lebensnotwendig ist, der nicht mit mir Küchentisch und Bett teilt. 

Lasst uns von nun an über praktibale Lösungen für physical distance nachdenken und diese umsetzen. Und hören wir auf, Menschen sozial zu isolieren. 

#mutteilen

In der Passionszeit 2020 habe ich mit vielen anderen #mutinfarbe #mutteilen geübt. Jeden Tag habe ich mit weißer Kreide „Mut“ auf eine Karte geschrieben und dann mit Farbe überzogen. Die Karten erzählen meinen ganz persönlichen Weg durch die Passionszeit.
An Ostern habe ich den Mut an der Christuskirche in Veitshöchheim ausgesetzt.

Zwischen

20. November 2019

Der Text ist für den Totenhemd Blog 2019 entstanden.

Vor vielen Jahren habe ich diesen Engel auf dem Bayreuther Stadtfriedhof gefunden. Seitdem schleicht er immer mal wieder durch mein Leben. Und irgendwie finde ich ihn auf allen Friedhöfen, auf denen ich unterwegs bin. Monumentale Gestalten. Als ob Größe und Härte und Langlebigkeit helfen könnten, die Härte des Todes auszuhalten. Eigentlich wollte ich über etwas anderes schreiben. Ein Grabfeld eines Friedhofes, in dem ich sehr oft Beisetzungen begleite. Über Lebensfluss und Auferstehungshoffnung. Dann platze eine Todesnachricht über einen gewaltsamen Tod in meine Timeline. Dann war er wieder da. Der Engel.

Zwischen

Engel
einer aus dem Zwischen
unter allen anderen
die drüben sind

Dein Blick
geneigt
weg
verschämt fast
kannst du es nicht mehr ansehen?

Ein Blatt
Eiche – stolz und ruhmreich
Lorbeer – Lohn der Sieger
oder doch Baldrian
beruhigend
vertröstend

Engel
einer aus dem Zwischen
unter allen anderen
die noch hier sind

Dein Blick
ratlos
seelenverwandt
kann manchmal nicht mehr hinschauen
zu denen die drüben sind

Ein Blatt
Feigenblatt auf rauhem Panzer
Türöffner durchs Zwischen
von hier nach drüben
lass es fallen
auf meine Seele

Engel
einer aus dem Zwischen
wallender Schutzmantel
Raum meines Sein

hier
drüben
zwischen
jetzt

20.XI.19

SFW

Gehüllt – unter Hoffnung

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Heute morgen war ich unter Hoffnung begraben
dann schälte ich mich frei
ich wälzte mich aus der Hoffnung Grab
hinunter vor die Stufen des Altars
ohne Schuhe
denn hier ist heiliges Land
ich wälzte mich durch den Staub
Drehung um Drehung im Gold geborgen
über Stufe und Schwelle
langsam hinunter
Rolle für Rolle
zum Licht hinaus in die Freiheit
aus der Geborgenheit unter Hoffnung begraben zu sein
hinaus bis ins Leben

Nun bin ich zurück gekehrt
bin hinter die Hoffnung gegangen
nun sitze ich ihr im Rücken
von hier aus habe ich alles vor mir
einer biegt Klammern auf – schon den ganzen Tag lang
einer malt weiße Flächen und eine backt Brot
Der Geruch des Brotes mischt sich seltsam mit dem chemischen Geruch des Stiftes
Vor mir lässt eine Feuerwanzen im Altarraum frei und eine hängt ab
mitten in der Kirche
Von der Empore klingt Gitarrenmusik
sie gibt dem Raum etwas heiliges beruhigendes
Unter der Folie bin ich beschützt
ich sehe alles und bleibe doch verborgen

Noch immer sitze ich hinter der Hoffnung
Ist sie von dieser Seite anders?Über mir das Gedenken an die Toten
einer hat ihren Schmerz sichtbar gemacht
Namenlosem Leiden eine Geschichte gegeben
Ich spüre ihr Leiden kaum
beschützt unter der Folie bleibt der Schmerz draußen
Menschen kommen herein
sind neugierig
schauen sich um
erzählen von ihrer Kirche

Hinter der Hoffnung ist auch hinter dem Tod
ist nun beides vorbei oder beides voraus?
Ich lege mich unter die Hoffnung
solange bis der Impuls zum Hervortreten ins Leben
unwiderstehlich wird.
Ich muss hinaus
Muss den Tieren ein Schiff bauen
sie zum Herrn bringen
Der Herr gebe Segen zum Tun und zum Gehen.

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479 + 3677 + 1 + x – Unterwegs

Karfreitag 2019 in der Christuskirche

Ich begann damit, den Psalm 22 auf eine Papierrolle zu schreiben, bis hinauf zum Kreuz.
Dann habe ich das Knotenband auf diesen Psalm gelegt und über das Kreuz gehängt.
Anschließend habe ich mit Sprüchkreide auf den Boden und das Kreuz das Wort „vollbracht“ geschrieben.


Gott hat es zuende gebracht. Er ist mitten drin, im Leid dieser Welt. Im Schicksal einzelner. Er hält das aus und bleibt da.
Ausgehend davon, dass der Vorhang im Tempel zerriss habe ich dann die Schutzdecke am Kreuz aufgerissen, die seit einem Jahr drüber hing, als Schutz für die Bauarbeiten, die jetzt aber so weit fortgeschritten sind, dass die Decke nicht mehr nötig ist.
Schließlich habe ich zwei Rettungsdecken genommen und sie in die offene Flanke des Kreuzes gelegt. Ebenso oben drüber.
Ist das jetzt meine Rettung?
Die Rettung der Welt?
Die Rettung einzelner?

Zumindest fühle ich mich aufgehoben, mit allen Wunden.

Magnolienblütenblatt

Magnolienblütenblatt

Gefallen
Gerupft
Vertrieben
Verstoßen
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Egal

Harter Aufschlag
Sanfte Landung
Allein
mit anderen

Egal

Noch im Fallen
Schönheit
Noch im Liegen
Anmut

Nicht egal

Trägt dich der Wind

von Höhen

die ich nie erreiche

in meine Hand

auf meinen Weg

gar nicht egal

Entdecke Facetten

meines Lebens

flammende Blüten
rostrunde Narben

Stolz im Schmerz

Leben geht weiter

Segen

Niemals egal

19.IV.2019

Hasch mich – ich bin der Friede

Preacher-Slam zum Gedenken der Zerstörung Pforzheims am 24.2.2019DSC_0434

Hasch mich – ich bin der Frieden!

ich legte mich auf die Lauer

wie ein Jäger in der Nacht

verbarg mich hinter Hausecken 

um ihn ja nicht aufzuschrecken

keine falsche Bewegung

kein lauter Laut

schreckhaft ist er,

so haben es mir die Weisen einst anvertraut

wie ein goldener Schnatz fliegt er durch das Dunkel

traut sich in die schwärzesten Winkel

wird argwöhnisch beobachtet von zwielichtigen Gesellen

ist schwer zu erhaschen

schlüpft durch engstirnigste Vorgartenzaunmaschen

und ich schlich durch die Stadt

durchstreifte alle Straßen

immer auf der Suche

nach dem scheuen 

Frieden 

jage ihn

krieg ihn zu fassen

dann kannst du ihn mitnehmen 

in die anderen Straßen

und auf die Plätze

dorthin wo sie schreien

wo sie Parolen brüllen

und du stellst dich an seine Seite

beschützt ihn 

stellst deinen Schild vor sein Gesicht

Friede komm mit

fürchte dich nicht

und so legte ich mich auf die Lauer

stellte seinen Spuren nach

in einer Gasse nahm ich Witterung auf

ich drückte mich an der kohlenruß geschwärzten Hauswand entlang

Putz bröckelte auf meine Schultern

auf den Klingeschildern lese ich allerweltsnamen

20  Namen mindestens

aber kein Friede dabei

wohnt der hier, auf welchem Flur?

Friedensduft steigt in meine Nase

und ich hefte mich an seine Spur

aus dem gekippten Küchenfenster
fällt Licht auf das einsame Straßenpflaster

und zwischen Flügel und Rahmen
schiebt sich ein unwiderstehlicher Duft in meinen Atem

Friedensduft

ich gehe zum Fester und schaue rein

ein einfacher Holztisch

der Junge dran

schaut verzweifelt auf Hefte und Bücher

den schwarzen Thor Steinar Kapuzenpulli tief über die Stirn gezogen

ich hör ihn abwechselnd schreien und schimpfen

und die scheiß binomischen Formeln

die nicht in sein Hirn hineinkriechen wollen

und wie er sich statt dessen aufregt

über die anderen

die von weit her

Scheiß Ausländer

die alles kriegen

und jetzt in der Klasse sitzen

nicht mal über Formeln schwitzen

und ihm aber seine Lehrstelle klauen

und die Zigarettenkippe oben drauf

schließlich waren die gestern noch in seiner Tasche und heute nicht mehr

Zornestränen fließen über die Wangen

wohnt hier der Friede

auf der offenen Flamme 

des Gasherdes steht die schwere Pfanne

Die Mutter gießt eine hellgelbe Flüssigkeit in das Öl

süß betörender Kuchenduft steigt auf

Pfannkuchen um Pfannkuchen stapelt sich auf dem Teller

Sie stellt ihn auf den Tisch.

Ohne Worte 

lächelnd

gedankenverloren trotzig greift der Junge zu

beißt hinein

kaut 

schluckt

beruhigt sich

schmeckt 

Frieden

rutscht in kleinen Stücken die Speiseröhre hinunter

verbreitet sich warm und leicht im Magen

legt sich wie eine warme Decke um das 

kalt verfrorene Herz

ich weiß nicht ob das reicht

ob das warm genug ist

nachhaltig

effektiv

performativ

Ich erspähe den Frieden in den Herzen

dem Herzen einer Mutter

die sich nicht versteckt

die was riskiert

ganz unbeirrt

die ihr Herz nicht hinter die Maske zwingt

und keine Schutzschilder in Stellung bringt

aber da kriege ich ihn nicht zu fassen

muss ihn seine Wege ziehen lassen

nicht das Herz der Mutter leeren

und ihn nicht vom Küchentisch zerren

so streife ich weiter durch die Straßen

ziehe um die Häuser durch die Gassen

krieg ich den doch irgendwo zu fassen?

Um den andern nicht die Plätze zu lassen

mit ihren Parolen und ihrer Gewalt

ihrem Hass der nur drauf wartet, dass es knallt

neulich hab ich ihn dann doch entdeckt

da war er zwischen Schlosspark und Wartberg unterwegs

mir schien, es hätte ihm Spaß gemacht

hin und her zu hüpfen

sich nicht kriegen zu lassen

und schon gar nicht  zu vertreiben

wenn er flügellahm müde und down war

sprang er mit wenig Kraft zu den Jugendlichen

die fangen ihn auf mit offenen Händen – sichern

sprachen ihm gut zu

fütterten ihn mit Schokolade

und Pfannkuchen

einige hatten Rosen dabei

dann leuchtet er wieder

in leopradenfellgetupften Schnürsenkeln

dann flattert er wieder los

geht selbst auf die Jagd

bringt Springerstiefelträger zum Schwitzen

setzt sich auf die Nasenspitzen

um fröhlich darauf rum zu tanzen

während sie braune Parolen ranzen

lässt goldene quietschvergnügte Leopradentropfen 

auf sorgsam fest gezogene weiße Schnürsenkel tropfen

sie wollten ihn jagen fangen vertreiben

und einer versucht ihn sich einzuverleiben

flüstert schreit skandiert seinen Hass

faselt was rum von Reinheitserlass

doch da ist der Frieden schon weitergehüpft

er hat ja auch noch so viele zu besuchen an diesem Tag

wo in dieser Stadt viel in Bewegung ist

er ist ja ein äußerst kreativer Aktivist

den einen wird er den Kopf verdrehen

den andern im Streit zur Seite stehen

und auf dem Protest-Weg von der Stadtmitte 

zum Wartberg

setzt Frieden sich an die Spitze

fliegt voran 

und mitten durch

so hat Frieden mich gejagd und gefunden

für seine Ziele eingebunden

erst wollte ich noch widerstehen

und auf meine Wege bestehen

ein Grinsen von ihm brach den Widerstand

komm, sagt er: ich zeige dir den Frieden

und legt den Schnatz in meine Hand

SFW 24.II.19

Cum Ex durchs Nadelöhr

Predigtslam beim 1. Coburger Predigtslam am 16.11.2018

Guten Abend!

Reden wir über Geld.
Geld ist wichtig.
Geld regiert die Welt.

Das lernen schon die Kinder
an der Eistheke bei der Frage nach zwei oder drei Kugeln
oder in der Kinderkirche
wenn der reiche Jüngling
ob mit oder ohne Kamel
beim besten willen
nicht durch die Tür passen will
und dann bei der Frage
wofür das Körbchen in der Mitte da ist
und da dann die 20 Ct reinkommen
die die Mutter dem Kleinen morgens noch zugesteckt hat
davon kann man zwar kein Kamel ernähren
aber für das Gefühl ist das gut
und der Pfarrer freut sich
das ist auch was wert.

Geld ist wichtig.

Geld regiert die Welt
und hoffentlich auch die Ewigkeit
das wusste schon Herr Tetzel
der damals in der Kinderkirche
vermutlich geschlafen hat
oder
an der
Nadelöhrerweiterung
rumgebastelt,
bis ihm beim Kollektenkörbchen
die Erleuchung kam und er
30 Jahre später
eine ertragreiche Predigt draus gestrickt hat
ganz ohne Nadelöhr und Kamel,
dafür aber für die Ewigkeit
und mit Pling
cum ex auf dem Marktplatz
cum Geld im Kasten für Seele
und ex
fliegt die dann aus dem Feuer
direkten Weges in den Himmel
an der Himmelspforte
die Sünden vorbei geschmuggelt
ex Sünde
cum Gnade
Seelenheil oben drauf
und die Sanierung des Petersdoms ist auch gesichert
das ganze muss sich rechnen
ein win-win Geschäft
Gott ist vermutlich kein Teilhaber
aber er gehört ja auch nicht zur Welt.

Geld regiert die Welt
das denkt auch Peter
als er nach Börsenschluss in den Park geht

da hatte er gerade ein wenig die Welt regiert
Derivatengeschäfte zertifiziert
Millionen an Euro und Bitcoins durch das Netz jongliert
Aktienoptionen geschickt platziert
und schließlich die Steuererklärung optimiert

stand er nun an Speakers Corner
und fragte den Meister in der Ecke
wie komme ich in deine Welt?
Und welche Rolle spielt da Geld?

Der Meister sah ihn staunend an
er musterte die Bügelfalten
des anthrazitfarbenen Armani Anzuges
und registrierte aufmerksam
dass sein Hemd soweit zugeknöpft war
um die Tatoosünde seiner Jugend
auf der linken Brustseite geschickt zu verdecken
der Meister schaut ihm tief in die Augen:

Du bist einer von den Guten?

Ich kenne die Complienceregeln
hab die immer brav gehalten
niemals stehlen nie betrügen
und das Finanzamt nicht belügen
ich investiere in crowd funding
soziale Alltagszwecke
Mirko Kredite
Brot für die Welt
und die Tafel um die Ecke

Fehlt noch was?

Freundlich ruhte der Blick des Meisters
auf Peter und seiner Rolex
und er fing schon langsam an, den jungen Mann zu mögen
und gab ihm einen letzten Rat

Junge mach dich leicht und locker
schluss mit Aktien Börsen Zocker
räum dein Konto leer
vergiss die Uhr nicht, gib sie her
gibs den Armen, dann komm wieder

Peter nickte artig,
zog sein Jackett straff
rückte die Armbanduhr gerade
lies das iphone in der Jacke veschwinden
schulterte den schwarzen Nappalederrucksack
trollte sich gemessenen Schrittes
bis zur nächsten Kurve

dann setzte Schnappatmung ein

und während sein Hirn
sich mehr und mehr
mit Sauerstoff füllte
reifte eine Idee in ihm

unter den zahlreichen Briefkastenfirmen
die er auf Dienstreisen in die Karibik besucht hatte
war auch jene eines gewissen John Tez aus der Nähe von Leipzig
er fiel ihm auf, weil er mit Kirchengrundstücken
clevere Geschäfte machte
und das über den Tod hinaus
Immobiliensicherungsfond Wolke 7
zusammen mit dem Megabauträger Paradise Ressort
Geld regiert die Welt und manchmal auch die Ewigkeit

guter Plan

alles verkaufen, alle Aktien, alle Optionen
auf ex
oder cum?
cum ex?
ex cum
Hauptsache weg und gut verstauen
und später wieder zu sich holen
mit Mehrwert
für die Ewigkeit

So kam es, dass Peter ein letztes mal investiert
Börsenkursverläufe lang studiert
Fälligkeitstermine notiert
die Briefkastenfirma von John Tez kontaktiert
sein ganzes Geld dann dort platziert

Und Pling der Platz im Paradies ist safe
man weiß ja nie,
wie die Wohnungslage dort so ist

Es kam so wie es kommen musste
Eines Morgens stand der gute Broker
vor der Himmelspforte  und begehrte Einlass
Den Weg durchs Nadelöhr schaffte er spielend
und neugierig betrat er die Eingangshalle zum
New Paradise Ressort

Peter suchte nun die Anschlagtafel
mit freien Grundstücken und Wohnungen
und auch die nächste Bankfiliale

und war jetzt erstmal sehr verwirrt
hatte er sich in der Pforte geirrt
John Tez war auch noch nicht zu sehen
so musste Peter allein gehen

und fragte den ersten auf der Straße
nach dem Weg zur Bankfiliale
der war völlig ahnungslos
Geldschein, Visacard und Münzen?
was sollen die uns hier und heute nützen?

Geld regiert die Welt,
und das hier ist die Ewigkeit

und dann biegt John Tez um die Ecke

na, endlich auch hier angekommen?
Peter schaut noch sehr benommen
aber wenn der hier steht
ist er wohl nicht so ganz verkehrt

wie komm ich von hier jetzt an mein Geld?
Was kostet hier die Welt
und welches Eigenheim ist frei
es soll ja für die Ewigkeit sei(n)

doch John schüttelt nur milde sein Haupthaar
mit cum ex Geschäften kommst du hier gar nicht klar

mit Gnade durchs Nadelöhr
ohne Geld gerettet
cum ex für die Ewgikeit
mit gar nix bist du bereit
und dein Geld wird unter den Kaffebauern verteilt
auch Weberinnen sind sehr zufrieden
in ihren eigenen Betrieben
und mitten im fränkisch thüringischen Landesstrichen
decken sie Tafeln in Vesperkirchen

Peter fehlten die rechten Gedanken
sein Plan gescheitert, hier gibts keine Banken
ohne Geld in der Ewigkeit
was soll er nun die ganze Zeit?

John Tez grinste sichtlich heiter
und zog den Broker die Straße weiter

Komm mit!

wir spielen mit dem Meister ne Runde Monopoly
der steckt grad im Nadelöhrgefängnis fest
willst du die Schlossalle kaufen?

 

 

 

 

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